HOLOCAUST IM FILM
EDELWEIßPIRATEN Rezensionen zur Berlinale 2005 [Widerstand, Köln]
Vom 20. Februar 2005. Autor Richard HerdingVon der U.S.-Army werden sie aus dem Gefängnis der Gestapo (Geheime Staats-Polizei) befreit, sehen die früheren Bewacher und Misshändler an sich vorüberziehen. Auf der Treppe bittet der eine Gestapo-Bulle, ein Wort für ihn einzulegen, aber Edelweißpirat Karl Ripke brüllt: Nein ! Hätte der Bulle, wie versprochen, Karl und seinen Bruder Peter vor dem Galgen gerettet, ja dann, aber so nicht – denn „Edelweißpiraten sind treu“. Nun hatte Peter aber seine Haut gar nicht retten wollen, war beim Gestapo-Verhör stur geblieben. Ist Karl ein Schwein ? Jedenfalls verstehen wir seine Gefühle. Hollywood: viel Herz in der Brust; viele Gefühle, die alle überall jederzeit verstehen können.
ALLES AUF ZUCKER Rezensionen zur Berlinale 2005 [Normalisierung, Satire, Juden in Deutschland heute]
Vom 16. Februar 2005. Autor Richard HerdingEs fängt im Krankenhaus an. Der männliche Patient (Jaecki „Sugar“ Zucker, gespielt von Henri Hübchen) hat Spaß daran, seine Pfleger zum Narren zu halten: sie glauben, er hört und sieht nichts, quasi im Koma, aber er bekommt sehr gut mit, dass sie schwul sind und einander beglücken, sobald sie sich unbeobachtet fühlen. Der ursprüngliche Jakob Zuckerman ist Kleinunternehmer, vor allem aber Glücksspieler und Säufer dazu, steckt daher schwer in der (Geld-)Klemme. Selbstverständlich will seine Frau Marlene (Hannelore Elsner) raus aus der Patsche, mittels Scheidung.
MÄNNER, HELDEN UND SCHWULE NAZIS Rezensionen zur Berlinale 2005 [Homosexualität & Rechtsextremismus]
Vom 16. Februar 2005. Autor Richard HerdingEin unerwartetes Erlebnis. „Der“ schwule Filmemacher des Landes bringt in Wort und Bild (und Podium) zusammen: einen früheren Skinhead-Aktivisten, Andre; Bernd Ewald Althaus, einst im Knast als „Auschwitz-Lüge“-Lügner und „Lebender Beweis dafür, dass Hitler wieder kommen kann“; Alexander Schlesinger, so heißt es: aus einer ungenannten rechtsextremen Partei; Jörg Fischer, Ex-Neonazi und heute im Bund der AntifaschistInnen; Soziologieprofessor Rüdiger Lautmann; Internet-Journalist Rainer Fromm. Sich mit einem heutigen bekennenden Neonazi in eine Reihe stellen ? In diesem Avantgarde-Projekt machte das Sinn, und Praunheim konnte es plausibel darstellen ...
DIE TODESMÜHLEN Rezensionen zur Berlinale 2005 [Seminar „Bilder des Grauens“, Marshall-Plan, Reorientation ]
Vom 15. Februar 2005. Autor Richard HerdingUnter dem Titel „Bilder des Grauens“ wurden im Berlinale-Teilprogramm „Selling Democracy“ (! tolldreister Titel aus der Werbe-Welt, also: Wie man Demokratie „vermarktet“) die Wochenschau-Filme aus den ersten befreiten Konzentrationslagern zusammengefasst. Wohlgemerkt: überwiegend aus den KZ’s des Westens ! Auschwitz war da noch gar nicht dabei. Die Besatzungstruppen gaben diese Gräuelbilder, die unmittelbar ersten Momentaufnahmen –schrecklicher als in den ängstlichsten Phantasien erwartet- an die Deutschen weiter. Dabei übten sie einen gewissen Druck aus, um die Leute, die als „Tätervolk“ wissen sollten, was von ihnen oder jedenfalls in ihrem Namen verübt wurde, damit zu konfrontieren.
2 ODER 3 DINGE, DIE ICH VON IHM WEIß Rezensionen zur Berlinale 2005 [Juden-Vernichtung, Slowakei]
Vom 15. Februar 2005. Autor Richard HerdingNein, es geht nicht um Albert Speer, es geht um keinen bekannten Namen. Seit 1941 „Gesandter“ –das heißt in Wahrheit wohl eine Art Statthalter Hitlers- im damaligen Vasallenstaat Slowakei, in Bratislava, damals Pressburg: Hanns Elard Ludin, 1905-1945. Aus der „Kummerkiste“ zog Malte, Jahrgang 1942, alles Material, das über den Vater vorhanden und jahrzehntelang nicht berührt worden war.
DAS GOEBBELS EXPERIMENT Rezensionen zur Berlinale 2005
Vom 15. Februar 2005. Autor Richard HerdingLutz Hachmeister und Michael Kloft lassen uns das Tagebuch hören, das der Nazi-Minister für „Volksaufklärung und Propaganda“ lange Jahre, nämlich seit 1924, geführt hat und in dem er sich ausführlich inszeniert (Dokumentarisch im Saur Verlag, Publikumsausgabe bei Piper, 2000, beide München). Nur ein paar Seiten zu Kapitulation und Selbstmord 1945 fehlen. Dazu werden Filmaufnahmen, meist aus Tagesschauen, über das wirkliche Geschehen gezeigt. Kommentiert wird nicht.
FATELESS Rezensionen zur Berlinale 2005 [KZ Geschichte nach Kertesz]
Vom 15. Februar 2005. Autor Richard Herding„Fateless“ bringt die besondere, weitgehend auch im Lande selbst gegründete Brutalität des Vorgehens gegen die ungarischen Juden zur Sprache, ein –zufälliges- Gegenstück zur „Feuerwehrgasse 25“, wo es „eher schlampig“ mit dem Holocaust zuging. Zum Glück kann beides einen Teil der historischen Wahrheit für sich beanspruchen. Auch „philosophisch“ haben beide Filme etwas gemeinsam: die geschichtlichen Blöcke sind nicht uniform, sie bestehen aus individuellen Menschen mit Widersprüchen
DER NEUNTE TAG Rezensionen zur Berlinale 2005 [KZ, Widerstand, Dachau und Luxembourg]
Vom 14. Februar 2005. Autor Richard HerdingWenn die schwarz gekleideten Herren der Societas Iesu, deren Ruf durch die Jahrhunderte nach List & Tücke, Macht & Intrigen, Hochmut & Heuchelei aussah, das Geschenk je in Augenschein nahmen, mögen sie aufgeatmet haben. Nein, es war nicht wie in Rolf Hochhuth’s „Stellvertreter“. Keine flammende Anklage der feigen oder gar geistesverwandten Kumpanei zwischen Kirche und Nazireich. Es ist die Hommage an einen aufrechten Priester, der Prügel, Durst und Erniedrigung im Konzentrationslager wählt ...
SOPHIE SCHOLL - DIE LETZTEN TAGE Rezensionen zur Berlinale 2005 [Widerstand, München]
Vom 13. Februar 2005. Autor Richard HerdingDer Widerstand der „Weißen Rose“ war „normal-national“. Und von Juden-Vernichtungs-Lagern hatten die Ostfrontler auch mal erzählt … Julia Jentsch’s sehr lakonische Darstellung der Stärke einiger - Deutscher
ODESSA, ODESSA Rezensionen zur Berlinale 2005 [Schicksal der Jüdischen Community, Ukraine]
Vom 13. Februar 2005. Autor Richard HerdingDie Aufnahmen der alten ukrainischen Schwarzmeerstadt Odessa, in anheimelnden Farben und anheimelnd auch in ihren Trümmern, leer stehenden Gemäuern und Hinterhöfen, schaffen es leicht, die Herzen zu gewinnen und in einen „Heimatfilm“ einzustimmen, der auf drei Kontinenten spielt. Die ausgewanderten, dagebliebenen und immer wieder zurückkehrenden Jüdinnen und Juden aus Odessa erzählen aus ihren Lebensgeschichten